Urknall

Urknall - 1 - Was war Davor?

Der Beginn unseres Universums ist bei vielen Unterhaltungen und Diskussionen gekoppelt an die Frage nach dem „Davor“.

Also: „Was war vor dem Urknall?“

Die Antwort hängt vom Glauben und der Einstellung der Menschen ab.

 

Christen und Juden sagen: „Aus der bestehenden Unordnung schuf Gott die Ordnung.“

Augustinus im 11. Buch seiner „Bekenntnisse“: „Auf die Frage, was tat Gott bevor er die Welt geschaffen hat, wären manche versucht zu antworten: Da hat er die Hölle eingerichtet für Leute, die solche Fragen stellen!“

Theogonie des Hesoid von Askra: „Chaos, das gähnende Nichts, war der Anfang von allem.”

Aus den Metamorphosen des Ovid: “Ehe Ozean und Erde bestand und der Himmel, der alles bedeckt, da besaß die Natur nur ein einziges Wesen, Chaos genannt, eine rohe und ungegliederte Masse, nichts als träges Gewicht, und geballt am nämlichen Orte disharmonierender Samen nur lose vereinigter Dinge.“

Mythos der Jicerilla-Apachen: “Finsternis, Wasser und Sterne: Nur diese drei Urstoffe – sonst gab es hier, wo heute die Welt ist, nichts: Keine Erde, kein Lebewesen, keine Menschen. Aber es gab bereits die Kräfte der Natur, göttlich, machtvoll und vielgestaltig: die Hakzin, das sind die Lebens- und Formkräfte aller Wesen.“

Parmenides von Elea: “Ganz und kontinuierlich zusammenhängend ist das Sein. Es ist nicht geworden und es ist nicht vergänglich. Es ist unveränderbar und vollendet. Weder war es irgendwann, noch wird es irgendwann sein. Denn es ist jetzt und vollständig.“

Lao-tse im Mythos der fünf Grundkräfte: “Himmel und Erde waren voneinander noch nicht getrennt, und alles war ein riesiger Ball aus Dunst und Nebel. Aus diesem Zustand formten sich die Geister der fünf Grundkräfte: die Fünf Alten.“

Demokrit von Abdera: “Im unendlich Leeren bewegen sich unendlich viele Atome in unendlich langer Zeit. Diese Bewegung hat niemals begonnen. Sie ist ewig.“

Aus den Taittirîya Upanischaden: “Nichtoffenbartes war am Anfang. Aus ihm entstand das Offenbare. Es schuf sich selbst ganz aus sich selbst. Darum heißt es: das Selbsterschaffene.“

Aus dem Buch des Rates der Maya (Popol Vuh): “So wurde es überliefert: Der Kosmos war in vollendeter Ruhe. Kein Lufthauch, kein Laut störte das Schweigen der Welt. Der Raum war leer: Es gab weder Mensch noch Tier, weder Fisch noch Vogel, weder Baum noch Stein. Nur der leere Raum, der Himmel und der riesige Ozean waren da. Die Erde war noch nicht sichtbar.“

Mythos der Hopi: “Taiowa, der Unendliche, ist der Schöpfer. In seinem Geist entstand die Erste Welt, der endlose Raum. Sie hat weder Anfang noch Ende, weder Zeit noch Form noch Leben, nur die unermessliche Leere.“

Die Physik: “Nichts. Der Urknall bedeutet das Erscheinen von Materie und Energie, den Beginn von Raum und Zeit.“

Der Kosmologe S. Hawking: “ Ein glatter, gleichmäßig gekrümmter Quantenkosmos. Die Zeit gibt es nicht, nur eine Abfolge vierdimensionaler Räume: die vierdimensionalen Oberflächen von fünfdimensionalen Kugeln.“

 

Die erforderlichen Anfangsbedingungen für ein Universum, wie wir es kennen, stellen nur eine von 10 hoch 10 hoch 120 Möglichkeiten dar. Die Physik muss ein sehr scharfes Auswahlprinzip formulieren um den Anfang zu erklären, und das soll der Quantengravitation gelingen.

Zur Zeit gehören alle Überlegungen ins Reich der Spekulation. Um es deutlich zu sagen: Die Erklärung und Beschreibung des Urknalls wird die Wissenschaft noch einige Zeit beschäftigen und die Begeisterung für Denkmöglichkeiten wird die Kosmologen vergnügen. Alle jedoch sollten sich hüten das Denkbare schon für Wirklichkeit zu halten.