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Hintergrundstrahlung - 1 - Einleitung
Strahlung ist die Ausbreitung von Energie im Raum. Die frühere grundsätzliche Unterscheidung zwischen Wellenstrahlung (z. B. elektromagnetische Wellen) und Teilchenstrahlung = Korpuskularstrahlung (z. B. Alphastrahlung, kosmische Strahlung) ist unhaltbar, da sich mikrophysikalische Vorgänge sowohl mit dem Wellenmodell als auch mit dem Teilchenmodell erklären lassen.
Das Modell des expandierenden Kosmos, beginnt mit einem Plasma, einem heißen dichten Anfangszustand. Richard C. Tolman nahm an, dass die Energiedichte und Temperatur der damaligen Strahlung mit der Expansion abgesunken sein müsste.
George A. Gamov ging davon aus, dass ausgehend vom heißen Stadium (Primeval Fireball) Informationen über die Entwicklung durch die Elementhäufigkeiten gegeben sind. Gamov und R. Dicke vermuteten, dass messbare Strahlung entstanden sei als sich das Universum auf etwa 3 000 K abgekühlt hatte. Dieser Zeitpunkt markiert den Materieübergang vom ionisierten (elektrisch geladenen) in den neutralen Zustand, in dem Protonen und Elektronen Wasserstoff H bilden. Diesen Zustand nennen Physiker Rekombination. Ohne freie Elektronen und Protonen gab es keine Thomson-Streuung, die Photonen konnten entweichen, sie entkoppelten. Bis zu dieser Entkoppelung bestand ein Temperaturgleichgewicht von Strahlung und Materie bei etwa 3 000 K. Nun wurde das Weltall für elektromagnetische Strahlung weitgehend transparent. Dieses frühe undurchsichtige Stadium ist wie ein Vorhang am Ende des mit elektromagnetischer Strahlung zugänglichen Kosmos.
Somit stammt die 3-K-Hintergrundstrahlung vom ältesten beobachtbaren Zeitpunkt überhaupt, als das Universum ein Feuerball war.
Da die Wechselwirkung nur gering ist, sollte sich das Strahlungsfeld des Universums mit diesem adiabatisch (griech.: ohne Wärmeaustausch) ausdehnen. Die Intensität und spektrale Verteilung der Strahlung sollte allein von ihrer Temperatur abhängen und wäre damit eine Schwarzkörperstrahlung. Nach L. Boltzmann bleibt so ein Strahlungsfeld bei adiabatischer Ausdehnung schwarz und das Produkt T3V konstant.
Nach Abschluss der Entstehung von H und Helium He bleibt aber auch deren Teilchenzahl nV erhalten, so dass T3 n abnehmen müsste. Gamov ging für die Elementbildung von T = 109K und n ca. 1024 m-3 für das heutige Universum von no=1m-3 und damit nach der Expansion auf das 1024fache Volumen von einer Hohlraumstrahlung von ca. T=10 K aus.
A. Penzias und R. Wilson entdeckten 1963 mit ihrer rauscharmen Hornantenne ein Rauschen bei 7,35 cm (4,08 GHz), das aus allen Richtungen kam. Nach Abzug aller Störfaktoren blieb eine isotrope unpolarisierte Strahlung von rd. 3 K, deren Form nicht explizit (lat.: ausführlich) zu messen war.
Spätere Messungen ergaben, dass das Strahlungsfeld im gesamten zugänglichen Wellenlängenbereich von etwa 10 cm bis zu 1 mm dem Planckschen Gesetz folgt.
Das Intensitätsmaximum liegt bei 180 GHz (l= 1,7 mm), mit steilem Abfall auf der kurzwelligen Seite. Oberhalb von 30 cm überwiegt die galaktische nichtthermische Strahlung. Unterhalb von 3 mm sind Messungen wegen der Erdatmosphäre nicht möglich.
Das genaue Ergebnis ist T = (2,73 +/- 0,001) K.
Absolutmessungen im fernen Infrarot ergeben noch genauere Werte:
T = (2,728 +/- 0,002) K
Das Strahlungsspektrum stimmt für rd 10 cm innerhalb von rd 10-4 der relativen Intensität mit der Planckverteilung überein. Die Polarisation liegt unterhalb 10-5.
Der spektrale Verlauf zeigt, dass es keine Hinweise auf Abweichungen von der adiabatischen Expansion des Strahlungsfeldes und damit von Energiezufuhr und Energiedissipation (lat.: Übergang einer Energieform in Wärmeenergie) gibt.
Die Strahlung wird Cosmic Microwave Background Radiation (CMBR) genannt und ist mindestens 13 Milliarden Jahre alt, da Photonen sich stets mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, altern sie nicht. Aber sie unterliegen der kosmischen Expansion und damit der kosmologischen Rotverschiebung, d. h. sie werden energieärmer. Die Zeitangabe bezieht sich auf die Ergebnisse der beobachtenden Astronomie. Wie alt das Universum wirklich ist und ob die Entstehung der Strahlung tatsächlich 380 000 Jahre nach dem Anfangszeitpunkt to unseres Universums entstand, wird bei der Diskussion über den Urknall besprochen.
Unabhängig vom genauen Anfangszustand des Universums ist diese Strahlung im Radiofrequenzbereich also ein deutlicher Hinweis darauf, dass es in der frühen Entwicklung eine heiße Phase gegeben hat.
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